Projekt „Zukunft ohne Krieg“

Ein globales Unternehmen, die Erde von Gewalt und Krieg zu befreien.

DIE MACHT DER KONKRETEN UTOPIE

Aus: Dieter Duhm, Die Heilige Matrix

Wenn wir den Krieg überwinden wollen, brauchen wir eine konkrete Vision für den Frieden. Wenn wir das globale Kraftfeld der Gewalt überwinden wollen, brauchen wir eine konkrete Vision für ein globales Kraftfeld des Friedens. Wir haben in der Studentenrevolte der Sechziger Jahre gesehen, wie leicht Menschen in der Lage sind, gemeinsam gegen etwas zu kämpfen, und wie schwer es ihnen fällt, auch gemeinsam zu leben. Wir konnten das Problem einer Polizeikette lösen, aber nicht das Problem des Geschirrspülens in unseren Wohngemeinschaften, nicht das Problem der Hierarchie in unseren Gruppen und schon gar nicht das Problem der Sexualität. Außer einigen Parolen vom herrschaftsfreien Leben gab es noch keine positive Vision, keine konkrete Utopie für eine neue Lebensweise. Die bisherigen Befreiungskämpfe waren meistens Kämpfe gegen bestehendes Unrecht und noch nicht ein Kampf für die Verwirklichung einer klar gesehenen und realistischen Vision von Frieden und Gerechtigkeit.

Die Aufgabe von TAMERA*) ist die profunde Entwicklung einer konkreten Utopie für eine neue Form menschlicher Kultur und Gesellschaft und für eine neue Verbindung unseres Lebens mit den Wesen der Natur und den Kräften der Schöpfung. Eine solche konkrete Utopie enthält ein relativ präzises Bild und eine komplexe Gesamtinformation für eine reale Friedenskultur. Utopie unterscheidet sich von Illusion dann, wenn sie mit dem inneren Bauplan und den Möglichkeiten der Realität, also des Universums, übereinstimmt. Alle Wesen haben eine konkrete Utopie (als sogenannte ”Entelechie” und innere Zielgestalt) in sich, die ihre Entwicklung steuert. Die Macht der konkreten Utopie ist gewaltig, sie macht aus dem Samenkorn einen ausgewachsenen Baum, aus der Raupe einen Schmetterling, aus dem Embryo einen erwachsenen Menschen. Die Einzelwesen besitzen diese Macht nicht aus eigener Kraft, sondern aus ihrer Verbindung mit dem Ganzen. Die konkrete Utopie ist die Matrix oder die Blaupause, durch welche die Macht des Ganzen in das Wesen einströmt und es zur Verwirklichung bringt. Würde die Raupe aus eigenem Entschluß ein Schmetterling werden wollen, so stünde sie vor einer unlösbaren Aufgabe. Die konkrete Utopie ist derjenige Machtfaktor im Leben, der alle Wesen über ihre momentane Begrenzung hinausführt.

Das Wirken der konkreten Utopie folgt einem Kraftprinzip, welches allen mechanischen Prinzipien weit überlegen ist. Ein winziger Graskeimling kann eine fünf Zentimeter dicke Asphaltdecke durchstoßen. Er kann dies wiederum nicht aus eigener Kraft, sondern durch die Verbindung mit dem Ganzen, welche ihm durch seine innere Blaupause mitgegeben ist. Der Machtkampf zwischen dem Graskeimling und der Asphaltdecke wird somit auf einer gänzlich anderen Ebene entschieden. Auf analogem Wege könnten sich die Friedenskräfte gegen die äußerliche Übermacht der Zerstörungskräfte durchsetzen.

Es besteht kein Zweifel, daß eine fundamentale Wendung zu einer Zukunft ohne Gewalt möglich ist, wenn es uns gelingt, für uns und unsere gesellschaftliche Entwicklung die richtige konkrete Utopie zu finden. Wir hätten damit die Matrix oder Blaupause gefunden, durch welche die gesamte Macht der Schöpfung in unsere Arbeit einströmen könnte. Es ist die einzige Macht, die stärker ist als der Krieg. Und genau dies ist der zentrale Gedanke von TAMERA: die konkrete Utopie zu entwickeln, die in der entelechialen Entwicklung der Geschichte heute ansteht, und mit der Kraft dieser Friedensutopie einzuwirken in die Entscheidungskämpfe unserer Zeit.

Der innere ”Traum” der Menschheit ist die überall noch uneingelöste, aber dennoch reale Vision einer globalen, solidarischen, zusammengehörenden Menschen- und Völkergemeinschaft, verbunden in gemeinsamer Fürsorge und Liebe für alles Leben auf der Erde. Was bedeutet dieser Traum konkret für Ernährung und Produktion, für das Zusammenleben der Geschlechter, für die politische Organisation der neuen Gemeinschaften, für die weltweite Kommunikation, für die Zusammenarbeit mit den Wesen der Natur und den Kräften der Schöpfung? Was bedeutet er für unser Zusammenleben mit Wildtieren, mit Haustieren, mit Schnecken im Garten? Was bedeutet er konkret in Bezug auf unseren Alltag, unsere Art zu essen, zu arbeiten, zu lieben, zu beten? Mit welcher Art von Kraftsammlung und von spiritueller Lebenspraxis sind wir in der Lage, die in uns und in der Geschichte angelegte konkrete Utopie zu sehen und zu verwirklichen? Wir stehen mit diesen Fragen unmittelbar vor dem archimedischen Punkt, an dem sich so vieles entscheidet. Es gibt keinen Grund mehr, in den Korsetts des alten Lebens steckenzubleiben.

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*) TAMERA steht hier nicht nur für einen speziellen Ort, sondern für eine politische Idee, die überall verwirklicht werden kann.

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April 1, 2011 Posted by | Basic, Friedensbewegung, Politik | , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wenn wir den Krieg beenden wollen…

…müssen wir ihn da beenden, wo er tagtäglich neu gezeugt und neu geboren wird: in unseren alltäglichen Lebensverhältnissen, im Dauerstreß unterdrückter Sehnsüchte, in Schulen und Familien, in den Tragödien der Liebe, in unseren Vorstellungen von Mannsein, Frausein, von Sex und Besitz, in den viel zu engen Käfigen unseres beruflichen, sozialen und sinnlichen Lebens.

Wir wollen, dass die Jugend der Welt nicht mehr in den Krieg zieht?
Dann brauchen wir ein höheres Lebensziel, ein lohnenderes Leben und eine bessere Einsatz-möglichkeit der jugendlichen Kräfte.

Wir wollen, dass die weltweite sexuelle Gewalt beendet wird?
Dann müssen wir konkrete Lebensverhältnisse schaffen, wo sexuelle Freude ohne Gewalt, ohne Erniedrigung und ohne unnötige Einschränkungen erlebt werden kann.

Wir wollen die Welt von Despotismus, Betrug und Lüge befreien?
Dann lasst uns reale Verhältnisse aufbauen, in denen Despotismus, Betrug und Lüge keinen evolutionären Vorteil mehr haben.

Nicht nur träumen, reden, wünschen, appellieren, sondern aufbauen, real bauen!
Die Welt wird erst besser werden, wenn wir zeigen, dass es möglich ist.

Auszug aus „Die Kriegsgesellschaft und ihre Transformation. Manifest gegen den Krieg“ von Dieter Duhm

mehr… (voller Text auf diesem Blog)

Januar 29, 2009 Posted by | Politik | , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Sich Zeit nehmen um zu begreifen, was da eigentlich geschieht

Ich habe mir einen heißen Tee gemacht und genieße die Wärme des Getränks und die Wärme des Raumes, in dem ich mich befinde.
Im Internet lese ich eine aktuelle Nachricht:
(…) Das Leiden der Tibeter unter der chinesischen Unterdrückung ist derart unerträglich, daß manche keinen Ausweg mehr sehen und sich das Leben nehmen. Im Osten Tibets, in Amdo und Kham mußten nicht wenige aus ihren Häusern fliehen und suchen jetzt im Bergland Zuflucht vor der Brutalität der chinesischen Sicherheitskräfte. Ohne Nahrung, Kleidung und Brennstoff sind sie in den Bergen und Wäldern gefangen. Ihre Lage ist lebensbedrohlich und sie bedürfen dringend internationaler Unterstützung. (…)
Was tue ich? Gehe ich weiter meiner normalen Beschäftigung nach? Habe ich diese Nachricht, wie schon unzählige zuvor, in den nächsten Minuten wieder vergessen? Werde ich verschluckt von meinem Alltagsleben, meinen Alltagssorgen, meinen Alltagsbedürfnissen?

Ich nehme das Buch „Zukunft ohne Krieg“ von Dieter Duhm in die Hand und lese darin:
„An den Folgen von Kolonialisierung und Globalisierung sterben mehr Menschen als jemals in einem Krieg gestorben sind. Können wir fortfahren, unsere Vorteile zu genießen und unseren Einsatz auf Worte zu beschränken? Wir müssen reale Wege und Mittel finden, die Erde vom Krieg zu befreien. Wir nehmen indirekt teil am Krieg, weil wir keine Zeit haben zu begreifen, was da eigentlich geschieht. Unsere Kultur ist so eingerichtet, dass niemand Zeit hat zu begreifen, was da eigentlich geschieht.“

Ich beschließe, mir heute Zeit zu nehmen. Jetzt, sofort, für die Menschen in Tibet und Palästina, im Irak, im Sudan und Kolumbien. Ich fordere auch meine Mitmenschen auf, sich Zeit zu nehmen. Jetzt, sofort. Bevor wir über Möglichkeit und Unmöglichkeit eines globalen Friedens diskutieren, bevor wir verschiedene Wege und Strategien erörtern, müssen wir diese heile Stelle in uns selbst aufsuchen, von der aus wir aus vollem Herzen sagen: Ich will eine Erde ohne Krieg. Ich merke, das ist nicht nur mein kleiner, persönlicher Wunsch, es ist der Traum einer ganzen Menschheit. Er muß in mir und in vielen von uns wieder wachgerufen werden, denn wir sind es, die noch ein Dach über dem Kopf und genügend Zeit und Kraft zum Denken und Handeln haben.
Ich danke für Beiträge und Stellungnahmen.

April 12, 2008 Posted by | Basic | , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Den Krieg da beenden, wo er täglich neu erzeugt wird

Der Spiegel Nr. 11 zitiert in seinem Titelthema „Die Täter. Warum so viele Deutsche zu Mördern wurden“, einen der führenden Täter-Forscher: „Keine Alterskohorte, kein soziales und ethnisches Herkunftsmilieu, keine Konfession, keine Bildungsschicht erwies sich gegenüber der terroristischen Versuchung als resistent.“

Und folgert daraus: Und so gibt es auch nicht den einen Grund dafür, dass ganz normale Männer Frauen und Kindern ins Genick schossen.

Ist das wirklich die einzig mögliche Schlussfolgerung? Haben Menschen aller Alterstufen, aller Konfessionen, aller Bildungsschichten, aller sozialen und kulturellen Herkünfte wirklich nichts, was ihnen gemeinsam wäre?
Gerade weil diese latente Gewaltbereitschaft „ganz normal“ ist, gerade weil sie jederzeit durch geeignete gesellschaftliche Bedingungen wachgerufen werden kann, gerade deswegen müssen wir weiterfragen: Woher kommt die Gewalt? Wie entsteht sie? Wieso sind wir alle von ihr betroffen? Und wie können wir sie überwinden?

In seinem Buch „Zukunft ohne Krieg“ schreibt Dieter Duhm: „Wenn wir den Krieg beenden wollen, müssen wie ihn da beenden, wo er tagtäglich neu gezeugt und neu geboren wird: in unseren alltäglichen Lebensverhältnissen, im Dauerstreß unterdrückter Sehnsüchte, in Schulen und Familien, in den Tragödien der Liebe, in unseren Vorstellungen von Mannsein, Frausein, von Sex und Besitz, in den viel zu engen Käfigen unseres beruflichen, sozialen und sinnlichen Lebens.“

März 18, 2008 Posted by | Basic | , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar