Projekt „Zukunft ohne Krieg“

Ein globales Unternehmen, die Erde von Gewalt und Krieg zu befreien.

Offener Brief an Freunde in Bolivien

Liebe Freundinnen und Freunde!

 Wir schreiben nach einer heftigen Gewitternacht. Die Elementarkräfte helfen mit. Wir haben uns in einer ausgebauten Mühle eingemietet, um jetzt die größtmögliche Konzentration aufzubringen für die Frage, wie Tamera euch in Südamerika, in Bolivien, Kolumbien, Peru, Brasilien, Mexiko… am besten helfen kann. Das hat unter anderem die Einladung, die über euch zu uns kam, ausgelöst. Ein zweiter Auslöser ist die unendlich schwierige und gefährliche Situation, vor der die Friedensgemeinschaft San José de Apartadó in Kolumbien gerade steht.

Wir sehen im Moment eine große Chance und eine große Notwendigkeit für den Aufbau einer effizienten globalen Allianz, die euch und Kolumbien helfen könnte…  Wir möchten euch so kurz wie möglich etwas über diese große Chance schreiben, einige Grundgedanken, die uns begeistern und die Richtung aufzeigen, in der eine Lösung der scheinbar unlösbaren Probleme liegen könnte.

Wir sehen in allen Ländern das gleiche Problem der Globalisierung. Es folgt überall dem gleichen Prinzip: ein Land wird durch Monokulturen und Exporte ökologisch zerstört und ausgebeutet, Lebens- und Dorfgemeinschaften werden auseinandergerissen, Vertrauen zerbrochen, die Menschen fliehen in die großen Ballungszentren, wo sie verelenden. Wer die ländlichen Gebiete trotzdem noch besiedeln will, kann dies nur unter großen Entbehrungen tun und unter der ständigen Gefahr von Vertreibung und Verfolgung. Die Globalisierung verhindert systematisch alle Formen der Selbstheilung und Selbsthilfe: Autarkie, die Erzeugung von eigenem Saatgut, freier Zugang zu Wasserquellen, Ausbildung, Zusammenschluß zu Interessengruppen und Gemeinschaften, Aufbau von Subsistenzwirtschaften. Zwietracht und Desinformation werden gesät, damit die Menschen im Bann der Angst regierbar bleiben.

Wie entkommen wir diesem Gespenst?

Die Antwort von Tamera heißt: durch den Aufbau von Modellen. Und zwar nur durch den Aufbau von komplexen, nachhaltigen und verallgemeinerbaren Modellen. Das klingt streng, aber es ist ja etwas Schönes, wie ihr wißt.

Wir möchten es hier an einem Beispiel verdeutlichen: Der Permakulturspezialist Sepp Holzer aus Österreich wird eingeladen, überall in der Welt seine Wasserlandschaft aufzubauen; das ist wunderbar. Aber er sieht auch gleichzeitig, wenn sich die Menschen untereinander bekriegen, nützen die schönsten Wasserlandschaften nichts. Wasser ist ein verbindendes Element, wenn es aber in den Bann nachbarschaftlicher Konflikte gerät, die nicht gelöst werden können, wird es zum trennenden Element. Die einen verbieten den anderen die Quelle zu benutzen, die gerade wieder angefangen hat zu fließen. Damit eine Wasserlandschaft ihre ganze Heilkraft entfalten kann, gehört die menschliche Gemeinschaft dazu. Und so könnte ich fortfahren, bis ich das ganze Modell habe. Denn zur menschlichen Gemeinschaft gehört das Wissen in der Liebe, zum Wissen in der Liebe gehört die Anteilnahme an der Welt, zur Anteilnahme an der Welt gehört das Denken, zum Denken gehört die Theoriebildung, zur Theoriebildung die Ausbildung… ihr seht, man kann etwas, das ganz ist, nicht in Einzelteile zerlegen und sie getrennt voneinander als Hilfe anbieten. Wir können nicht nach Bolivien kommen und dort nur die Idee der Wasserlandschaft vorstellen. Bolivien könnte aber mit einer Wasserlandschaft anfangen und daraus eine Modell-Universität machen: Ein Ort, wo sich aus einer Wasserlandschaft ein ganzheitliches und nachhaltiges Modell für eine neue Zivilisation auf diesem Planeten entwickelt: Hier wird das Wasser-Geheimnis studiert; hier werden neue Grundgedanken gelehrt für Ernährung und Permakultur; hier wird das indigene, mythologische Wissen über die Verbundenheit des Menschen mit der Natur auf moderner, wissenschaftlicher Ebene dokumentiert und wiederentdeckt; hier entsteht ein globaler Campus, wo junge Menschen für Berufe ausgebildet werden, die dem Frieden dienen und nicht mehr dem Krieg; hier entsteht eine spirituelle Schule für den Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Friedensarbeit, ein Ort für Versöhnung und Solidarität unter Menschen, eine Wallfahrtsstätte für die Heilung von Mensch und Erde.

Und sobald ein erster solcher Ort aufgebaut ist, (und sei es erst in Ansätzen) geschieht das Wunder.

Zum Weiterlesen, hier der ganze Text als pdf

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Juni 1, 2011 Posted by | Ökologie, Basic, Friedensbewegung, Politik | , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

DIE MACHT DER KONKRETEN UTOPIE

Aus: Dieter Duhm, Die Heilige Matrix

Wenn wir den Krieg überwinden wollen, brauchen wir eine konkrete Vision für den Frieden. Wenn wir das globale Kraftfeld der Gewalt überwinden wollen, brauchen wir eine konkrete Vision für ein globales Kraftfeld des Friedens. Wir haben in der Studentenrevolte der Sechziger Jahre gesehen, wie leicht Menschen in der Lage sind, gemeinsam gegen etwas zu kämpfen, und wie schwer es ihnen fällt, auch gemeinsam zu leben. Wir konnten das Problem einer Polizeikette lösen, aber nicht das Problem des Geschirrspülens in unseren Wohngemeinschaften, nicht das Problem der Hierarchie in unseren Gruppen und schon gar nicht das Problem der Sexualität. Außer einigen Parolen vom herrschaftsfreien Leben gab es noch keine positive Vision, keine konkrete Utopie für eine neue Lebensweise. Die bisherigen Befreiungskämpfe waren meistens Kämpfe gegen bestehendes Unrecht und noch nicht ein Kampf für die Verwirklichung einer klar gesehenen und realistischen Vision von Frieden und Gerechtigkeit.

Die Aufgabe von TAMERA*) ist die profunde Entwicklung einer konkreten Utopie für eine neue Form menschlicher Kultur und Gesellschaft und für eine neue Verbindung unseres Lebens mit den Wesen der Natur und den Kräften der Schöpfung. Eine solche konkrete Utopie enthält ein relativ präzises Bild und eine komplexe Gesamtinformation für eine reale Friedenskultur. Utopie unterscheidet sich von Illusion dann, wenn sie mit dem inneren Bauplan und den Möglichkeiten der Realität, also des Universums, übereinstimmt. Alle Wesen haben eine konkrete Utopie (als sogenannte ”Entelechie” und innere Zielgestalt) in sich, die ihre Entwicklung steuert. Die Macht der konkreten Utopie ist gewaltig, sie macht aus dem Samenkorn einen ausgewachsenen Baum, aus der Raupe einen Schmetterling, aus dem Embryo einen erwachsenen Menschen. Die Einzelwesen besitzen diese Macht nicht aus eigener Kraft, sondern aus ihrer Verbindung mit dem Ganzen. Die konkrete Utopie ist die Matrix oder die Blaupause, durch welche die Macht des Ganzen in das Wesen einströmt und es zur Verwirklichung bringt. Würde die Raupe aus eigenem Entschluß ein Schmetterling werden wollen, so stünde sie vor einer unlösbaren Aufgabe. Die konkrete Utopie ist derjenige Machtfaktor im Leben, der alle Wesen über ihre momentane Begrenzung hinausführt.

Das Wirken der konkreten Utopie folgt einem Kraftprinzip, welches allen mechanischen Prinzipien weit überlegen ist. Ein winziger Graskeimling kann eine fünf Zentimeter dicke Asphaltdecke durchstoßen. Er kann dies wiederum nicht aus eigener Kraft, sondern durch die Verbindung mit dem Ganzen, welche ihm durch seine innere Blaupause mitgegeben ist. Der Machtkampf zwischen dem Graskeimling und der Asphaltdecke wird somit auf einer gänzlich anderen Ebene entschieden. Auf analogem Wege könnten sich die Friedenskräfte gegen die äußerliche Übermacht der Zerstörungskräfte durchsetzen.

Es besteht kein Zweifel, daß eine fundamentale Wendung zu einer Zukunft ohne Gewalt möglich ist, wenn es uns gelingt, für uns und unsere gesellschaftliche Entwicklung die richtige konkrete Utopie zu finden. Wir hätten damit die Matrix oder Blaupause gefunden, durch welche die gesamte Macht der Schöpfung in unsere Arbeit einströmen könnte. Es ist die einzige Macht, die stärker ist als der Krieg. Und genau dies ist der zentrale Gedanke von TAMERA: die konkrete Utopie zu entwickeln, die in der entelechialen Entwicklung der Geschichte heute ansteht, und mit der Kraft dieser Friedensutopie einzuwirken in die Entscheidungskämpfe unserer Zeit.

Der innere ”Traum” der Menschheit ist die überall noch uneingelöste, aber dennoch reale Vision einer globalen, solidarischen, zusammengehörenden Menschen- und Völkergemeinschaft, verbunden in gemeinsamer Fürsorge und Liebe für alles Leben auf der Erde. Was bedeutet dieser Traum konkret für Ernährung und Produktion, für das Zusammenleben der Geschlechter, für die politische Organisation der neuen Gemeinschaften, für die weltweite Kommunikation, für die Zusammenarbeit mit den Wesen der Natur und den Kräften der Schöpfung? Was bedeutet er für unser Zusammenleben mit Wildtieren, mit Haustieren, mit Schnecken im Garten? Was bedeutet er konkret in Bezug auf unseren Alltag, unsere Art zu essen, zu arbeiten, zu lieben, zu beten? Mit welcher Art von Kraftsammlung und von spiritueller Lebenspraxis sind wir in der Lage, die in uns und in der Geschichte angelegte konkrete Utopie zu sehen und zu verwirklichen? Wir stehen mit diesen Fragen unmittelbar vor dem archimedischen Punkt, an dem sich so vieles entscheidet. Es gibt keinen Grund mehr, in den Korsetts des alten Lebens steckenzubleiben.

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*) TAMERA steht hier nicht nur für einen speziellen Ort, sondern für eine politische Idee, die überall verwirklicht werden kann.

April 1, 2011 Posted by | Basic, Friedensbewegung, Politik | , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Warum wenige Gruppen die Welt verändern können

Die Planetarische Theorie von Dieter Duhm beschreibt, warum und wie nur wenige Gruppen die Welt verändern könnten. 30 Jahre Arbeit in Theorie und Praxis stecken in dieser Theorie.
Dieter Duhm: „Im Begriff der „Theorie“ ist ein wissenschaftliches System mit einer „Gottesschau“ (theos) verbunden. Theorie in diesem Sinn ist nicht nur ein Gebäude abstrakter Sätze, sondern eine geistige Schau, welche den Leib verändert. Wirkliche Erkenntnisse setzen eine Energiebewegung frei, welche den Leib ergreift und verändert.“
Mehr…

August 17, 2010 Posted by | Basic, Friedensbewegung, Jugend, Mann/Frau, Politik, Wissenschaft | , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Nach 2012

Nach einer langen Pause möchte ich die Arbeit am Blog wieder aufnehmen. Er ist nun eingebunden in die  Online-Ausbildung der „Schule der Zukunft“, die vor zwei Monaten ins Leben gerufen wurde. Ich zitiere aus dem ersten Studientext „Nach 2012“ von Dieter Duhm:

„Wir befinden uns in einer gewaltigen kosmischen Transformation. Der große Friede, von dem so lange vergeblich geträumt wurde, könnte bald in Erfüllung gehen, wenn die Menschheit sich auf ihre Quellen besinnt und ihre Kultur auf neue Fundamente stellt. Dieser Vorgang ist bereits im Gang. Ein ständig wachsender Teil der Menschheit merkt, daß die bisherigen Grundlagen der irdischen Zivilisation nicht mehr haltbar sind. Die Selbstzerstörung der Menschheit könnte ohne eine Veränderung der Gesamtrichtung der menschlichen Evolution nicht mehr abgewendet werden. Dafür brauchen wir kein besonderes Datum.“

Wenn es um 2012 geht, ist es gut, diese letzten Gedanken zu wiederholen. Wir brauchen kein Datum für den Weltuntergang, wir brauchen die Entscheidung und den Willen, eine Veränderung der Gesamtrichtung herbeizuführen. Und dafür ist es noch nicht zu spät. Wir können lernen, wie es geht.

Juli 15, 2010 Posted by | Basic, Friedensbewegung, Jugend, Politik, Uncategorized | , , , , | 1 Kommentar

Pazifismus ist die Versöhnung des Menschen mit sich selbst

Heute am 50. Jahrestag des Aufstandes in Tibet möchte ich einige Gedanken von Dieter Duhm zitieren zum Thema Gewaltfreiheit und Pazifismus. Sie sind die tiefsten, die ich bisher zu diesem Thema finden konnte. Ich widme sie denen, die in der Geschichte der Besatzung Tibets ihr Leben lassen mußten und denen, die überlebt haben und unbeirrt weiter den Weg der Gewaltfreiheit gehen.
„Gewalt ist die Eruption blockierter Lebensenergien. Pazifismus ist nicht die sanfte Beschwichtigung der Gewalt und nicht die Beilegung von Konflikten durch Appelle zum Frieden. Wirklicher Pazifismus ist der radikale und intelligente Selbsteinsatz des Menschen für die Befreiung aller in ihm liegenden Lebensenergien und Schöpferkräfte. Pazifismus ist der fundamentale Kampf gegen jede Art von Unterdrückung der menschlichen Sehnsucht. Pazifismus ist kompromißlose Parteinahme fürs Lebendige. Pazifismus ist Militanz, nicht unbedingt politische Militanz, aber Militanz in der Erringung innerer Wahrhaftigkeit und Freiheit, denn Pazifismus ist die Versöhnung des Menschen mit sich selbst.“ (Aus: Dieter Duhm, Aufbruch zur neuen Kultur)

März 10, 2009 Posted by | Uncategorized | , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

In Nahost entscheidet sich mehr als die Zukunft zweier Völker.

von Dieter Duhm

In Nahost entscheidet sich mehr als die Zukunft zweier Völker. Wenn hier Friede gelingt, dann wird etwas Neues für die Menschheit gelungen sein. Denn in diesem Krieg offenbart sich ein Konfliktpotential der ganzen Menschheit. Ein Friede in Nahost hätte deshalb nicht nur regionale, sondern planetarische Bedeutung.

mehr…

Februar 28, 2009 Posted by | Basic, Politik | , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wenn wir den Krieg beenden wollen…

…müssen wir ihn da beenden, wo er tagtäglich neu gezeugt und neu geboren wird: in unseren alltäglichen Lebensverhältnissen, im Dauerstreß unterdrückter Sehnsüchte, in Schulen und Familien, in den Tragödien der Liebe, in unseren Vorstellungen von Mannsein, Frausein, von Sex und Besitz, in den viel zu engen Käfigen unseres beruflichen, sozialen und sinnlichen Lebens.

Wir wollen, dass die Jugend der Welt nicht mehr in den Krieg zieht?
Dann brauchen wir ein höheres Lebensziel, ein lohnenderes Leben und eine bessere Einsatz-möglichkeit der jugendlichen Kräfte.

Wir wollen, dass die weltweite sexuelle Gewalt beendet wird?
Dann müssen wir konkrete Lebensverhältnisse schaffen, wo sexuelle Freude ohne Gewalt, ohne Erniedrigung und ohne unnötige Einschränkungen erlebt werden kann.

Wir wollen die Welt von Despotismus, Betrug und Lüge befreien?
Dann lasst uns reale Verhältnisse aufbauen, in denen Despotismus, Betrug und Lüge keinen evolutionären Vorteil mehr haben.

Nicht nur träumen, reden, wünschen, appellieren, sondern aufbauen, real bauen!
Die Welt wird erst besser werden, wenn wir zeigen, dass es möglich ist.

Auszug aus „Die Kriegsgesellschaft und ihre Transformation. Manifest gegen den Krieg“ von Dieter Duhm

mehr… (voller Text auf diesem Blog)

Januar 29, 2009 Posted by | Politik | , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Aufruf zur Kriegsdienstverweigerung

In Solidarität mit allen, die den Kriegsdienst verweigern, möchte ich folgenden Text veröffentlichen. Jetzt ist Waffenruhe in Gaza. Wieder einmal konnte die Welt sehen, was Krieg bedeutet. Aber der Krieg geht weltweit weiter. Um den Krieg zu beenden, brauchen wir ein Wissen über das gesamte Kriegssystem und wie wir es verlassen können. Eine Möglichkeit ist folgender Text.
Bitte verteilt ihn in euren Netzwerken, gebt es an eure Freunde weiter. Helft mit, diesen Planeten in einen Planeten des Friedens zu verwandeln.

„Ihr habt keine Feinde. Die Menschen mit anderem Glauben, anderer Kultur oder anderer Hautfarbe sind nicht eure Feinde. Es gibt keinen Grund, sie zu bekämpfen.
Die, die euch in den Krieg schicken, tun es nicht für eure Interessen, sondern für ihre eigenen. Für ihren Profit, ihre Macht, ihren Vorteil, ihren Luxus.
Warum kämpft ihr für sie? Habt ihr Anteil an ihrem Profit? Habt ihr Anteil an ihrer Macht? Habt ihr Anteil an ihrem Luxus?
Und gegen wen kämpft ihr? Haben euch die sogenannten Feinde etwas getan? Cassius Clay hat sich geweigert, in Vietnam zu kämpfen. Er hat gesagt, die Vietnamesen hätten ihm nichts getan. Oder ihr GI´s: Haben euch die Afghanen, die Iraker, die Iraner etwas getan? Oder ihr jungen Russen: Haben euch die Tschetschenen etwas getan? Und wenn ja, wißt ihr, wieviel Schlimmes eure Regierung ihnen angetan hat? Oder ihr jungen Israelis: Haben euch die Palästinenser etwas getan? Und wenn ja, wißt ihr, was eure eigene Regierung ihnen angetan hat? Wer hat das Unrecht verursacht, das ihr bekämpfen sollt? Wißt ihr, welchen Mächten ihr dient, wenn ihr mit Panzern durch erobertes Gelände fahrt?
Wer in aller Welt verursacht das Unrecht, zu dessen angeblicher Bekämpfung die Jugend in den Krieg geschickt wird? Es sind eure eigenen Regierungen, eure eigenen Gesetzgeber, es sind die Herrscher in eurem eigenen Land.
Es ist die Welt der Banken und Konzerne, der Rüstungsindustrie und der Militärs, denen ihr dient, wenn ihr ihren Kriegsbefehlen folgt. Wollt ihr wirklich deren Welt unterstützen?
Wenn ihr das nicht wollt, dann ignoriert den Kriegsdienst. Ignoriert ihn so beharrlich und so machtvoll, dass sie euch nicht mehr holen. „Stellt euch vor, es wäre Krieg, und niemand ginge hin.“ Kein Mensch auf der Erde hat das Recht, einen anderen Menschen zum Krieg zu zwingen. Wenn sie euch einziehen wollen zum Kriegsdienst, dann dreht den Spieß um. Schreibt ihnen, wo und wann sie sich zu melden haben, mit welchen Socken, Unterhosen und Hemden sie bitte antreten sollen. Macht ihnen unmißverständlich klar, dass sie ab sofort selber in den Krieg ziehen müssen, wenn sie ihre schmutzigen Interessen durchsetzen wollen. Benutzt eure Beziehungen, eure Medien, eure Jugend und eure Macht, um den Spieß umzudrehen. Wenn sie Krieg wollen, sollen sie sich selber in die Panzer und Schützengräben begeben, sollen selber über Minenfelder fahren und sich von Schrapnellwaffen zerfetzen lassen.
Es gäbe keine Kriege mehr auf der Erde, wenn diejenigen, die die Kriege verursachen, die Schlachten selber führen müßten und wenn sie am eigenen Leib erfahren würden, was es heißt, verstümmelt oder verbrannt zu werden, zu verhungern, zu erfrieren, vor Schmerzen ohnmächtig zu werden.
Krieg ist das Gegenteil von jedem Menschenrecht. Wer Krieg befiehlt, ist immer im Unrecht.
Krieg ist die aktive Verursachung von unendlichem Leiden: zerquetschte und verbrannte Kinder, zerfetzte Leiber, zerstörte Dorfgemeinschaften, verlorene Familienangehörige, verlorene Freunde oder Liebespartner, Hunger, Kälte, Schmerz und Flucht, Grausamkeit gegen die Zivilbevölkerung – das ist Krieg!
Niemand darf in den Krieg ziehen. Hinter den Gesetzen der Herrschenden gibt es ein höheres Rechtsgut: „Du sollst nicht töten.“ Es ist die moralische Pflicht aller mutigen Menschen, sich dem Wehrdienst zu entziehen. Tut es massenhaft und tut es solange, bis niemand mehr Lust hat, in den Krieg zu ziehen. Es ist eine Ehre, den Kriegsdienst zu verweigern. Zeigt diese Ehre solange, bis sie von allen anerkannt wird.
Die Uniform des Soldaten ist das Narrenkleid der Hörigen. Befehl und Gehorsam sind die Logik einer Kultur, die Angst hat vor der Freiheit.
Wer sich zum Krieg bereit findet, und sei es nur zum obligatorischen Wehrdienst, macht sich der Mittäterschaft schuldig. Es verträgt sich mit keiner Ethik, der Wehrpflicht Folge zu leisten. Solange wir Menschen sind, müssen wir mit allen Mitteln dafür sorgen, dass dieser Wahnsinn aufhört. Es kann keine humane Welt geben, solange der Kriegsdienst als gesellschaftliche Pflicht akzeptiert wird.
Der Feind: das sind immer die anderen. Aber denkt nach: Wenn ihr auf der „anderen“ Seite wärt, dann wärt ihr selbst der Feind. Die Rollen sind austauschbar.
„Wir weigern uns, Feinde zu sein.“ Die Tränen, die eine palästinensische Mutter weint um ihr getötetes Kind sind dieselben wie die Tränen einer israelischen Mutter, deren Kind bei einem Bombenattentat ums Leben kam.
Der Krieger der neuen Zeit ist ein Krieger des Friedens.
Man muß den Mut haben, Leben zu schützen und weich zu werden, wenn unseren Mitgeschöpfen Hartes zugefügt wird. Trainiert euren Leib, kräftigt euer Herz und festigt euren Geist, um die weiche Kraft gegen alle Widerstände durchzusetzen. Es ist die weiche Kraft, die alle Härten überwindet.
Ihr alle seid aus der Liebe zwischen einem Mann und einer Frau hervorgegangen. So liebt und verehrt und pflegt die Liebe.
“Make love, not war.“ Das war ein tiefer Satz der amerikanischen Kriegsdienstverweigerer zur Zeit des Vietnamkriegs. Möge dieser Satz einziehen in alle jungen Herzen. Und mögen wir alle die Intelligenz und den Willen finden, ihm für immer zu folgen.
Im Namen der Liebe.
Im Namen aller Kinder.
Im Namen der Wärme für alles, was Haut und Fell hat.“

von Dieter Duhm

Januar 26, 2009 Posted by | Politik | , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Gaza: Es gibt nur noch eine Grenze…

Vor ein paar Tagen erhielt ich eine Mail von einer Friedensaktivistin aus Israel zur Situation in Gaza, in der stand: „… sie haben Kinder gefunden, die in ihren Häusern kauerten, wahrscheinlich schon tagelang, neben den Körpern ihrer getöteten Eltern. Die Ambulanz war nicht zu ihnen durchgelassen worden, trotz der strengen internationalen Gesetze für einen freie medizinsche Versorgung.“

Ich bitte alle LeserInnen einen Moment innezuhalten, damit die Information auch das Herz erreichen kann.

Weiß man, was ein Kind ist? Bei Nacht? Neben der Leiche seiner Mutter?

Etwas in mir wird sehr ruhig. Ich will keine Petitionen mehr unterschreiben, nicht mehr meditieren und für den Frieden beten. Ich habe nur noch den großen Wunsch zu verstehen. Was heute in Gaza geschieht, geschah gestern in Ruanda, im Kosovo, in Vietnam und kann morgen auch hier in meiner unmittelbaren Nachbarschaft geschehen.

Ich weiß, das Unrecht wird koordiniert und angeordnet im Namen von Regierungen und Militär, von Banken und Konzernen, von Geheimdiensten und Waffenindustrien, aber sie alle könnten nichts ausrichten, wenn es nicht genügend Menschen gäbe, die latent gewaltbereit sind, jederzeit dafür zu gewinnen, die Kriegspläne auch auszufüren.

So bleibt die Frage: Wer ist der Mensch?

Ich möchte dazu einige Sätze zitieren von Dieter Duhm:

„Ich bin der Einsiedler, der aus seiner Höhle kriecht in dem bedächtigen Entschluß, die Welt, in der er von nun an leben möchte, mit unparteilichem Interesse so zu sehen, wie sie wirklich ist. Nichts ist ungeheuerlicher, schauriger, widersprüchlicher und unbegreiflicher als der Mensch, wenn wir aufhören, ihn zu früh zu erklären und unserem embryonalen Begriffsvermögen anzupassen. Es geht nur um das Sehen, nicht um Deutungen und Beurteilungen. Machen wir einen Längsschnitt durch die bisherige Geschichte oder einen Querschnitt durch alles, was jetzt, in diesem Augenblick, auf unserem Planeten unter Menschen (auch zwischen Menschen und Tieren) geschieht, so gibt es für das Sehvermögen des naiven Auges vielleicht nur eine einzige Grenze: die Grenze des Entsetzens.

Der Mensch: das ist das Wesen, das Pyramiden gebaut hat, Städte bis auf das letzte Kind und die letzte Katze ausgelöscht hat, Choräle gesungen und Kathedralen errichtet hat, Andersgläubige auf glühendem Rost gebraten und Andersrassige in Seife verwandelt hat; das Wesen, das aus Liebe gehaßt und aus Frömmigkeit gemordet hat, das Nächstenliebe gepredigt und Napalm produziert hat, das den Frieden liebt und jetzt seinen nuklearen Untergang vorbereitet.

Das Unfaßliche verlangt gebieterisch eine Antwort. Aber hüten wir uns, sie zu schnell zu geben.“

Januar 17, 2009 Posted by | Uncategorized | , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Weiß man, was Krieg bedeutet?

Kennt man den unsäglichen Schmerz von Menschen, die in Trümmern eingeklemmt, verstümmelt oder verbrannt werden? Dies und nichts anderes ist Krieg.

Die Machtkartelle aus Wirtschaft, Politik und Militär wissen, dass bei ihrer Eroberungspolitik Kinder verbrennen, erfrieren, verhungern werden – und sie tun es. Sie wissen, dass Familien auseinandergerissen und Gemeinschaften zerstört werden – und sie tun es. Sie reden von Frieden, Freiheit und Demokratie und töten die Freiheitskämpfer, die ihren Plänen im Wege stehen. Sie haben eine Welt des Konsums errichtet, die auf der anderen Seite der Erde zu Versklavung, Verzweiflung und Untergang führt. Hinter den Zahlen an den Börsen steht das Leid unzähliger Menschen und Tiere. An den Folgen von Kolonisierung und Globalisierung sterben mehr Menschen als jemals in einem Krieg gestorben sind. Können wir fortfahren, unsere Vorteile zu genießen und unseren Einsatz auf Worte zu beschränken? Wir müssen reale Wege und Mittel finden, die Erde vom Krieg zu befreien.
Wir nehmen indirekt teil am Krieg, weil wir keine Zeit haben zu begreifen, was da eigentlich geschieht. Unsere Kultur ist so eingerichtet, dass niemand Zeit hat zu begreifen, was da eigentlich geschieht. Wir nehmen teil am Krieg, weil wir teilnehmen an einer Zivilisation, die überall den Krieg erzeugt. Der Krieg ist ein Bestandteil unserer Zivilisation, unserer Wirtschaft, unseres Konsums und unserer Vorstellungen vom Leben. Unsere eigene, westliche Gesellschaft lebt von Rüstungsindustrie und Waffenhandel, vom Krieg gegen die Natur, vom Krieg gegen die Dorfgemeinschaften und die Bauern der sog. Dritten Welt, vom Krieg gegen die Liebe, vom Krieg gegen die geistigen Anker und Heimatplätze der menschlichen Gattung. Dieser Krieg fordert seine Opfer in Tschetschenien, Afghanistan oder Irak, in Lateinamerika oder Palästina, aber er fordert seine Opfer auch dort, wo angeblich Frieden und Demokratie herrschen: in den Büros und Fabriken, in den Schulen und Familien, in den Liebesbeziehungen und gescheiterten Ehen, in der Situation heimatloser Jugendlicher, im sexuellen Notstand der Jugend, in den Seilschaften des organisierten Kindesmissbrauchs, wie sie in Belgien (Dutroux) und jetzt in vielen weiteren europäischen Ländern aufgedeckt wurden. Und schließlich in der auswegslosen Situation von Menschen, die im Räderwerk der bestehenden Verhältnisse nicht mehr zurechtkommen.
Und sind nicht auch die Schlachthöfe, die Pelztierfarmen und Tierlabors ein Teil des alltäglichen Krieges? Muss der Fortschritt einer Kultur wirklich mit so maßlos viel Tierleid verbunden sein?
Es gibt eine Lösung. Wir können sie erkennen, wenn wir aus genügendem geistigen Abstand das Ganze betrachten, in dem sich das derzeitige Leben auf der Erde abspielt.“
(Aus dem Buch „Zukunft ohne Krieg“ von Dieter Duhm)

Das Buch und die beschriebene Lösung muß bekannt werden; es muß über sie gesprochen werden, immer wieder und an immer mehr Orten in der Welt… bis sich immer mehr Menschen entschließen, sie mit aller Kraft zu verwirklichen. Das ist mein tiefstes Gebet für 2009.

Dezember 31, 2008 Posted by | Basic, Uncategorized | | Hinterlasse einen Kommentar