Sich Zeit nehmen um zu begreifen, was da eigentlich geschieht
Ich habe mir einen heißen Tee gemacht und genieße die Wärme des Getränks und die Wärme des Raumes, in dem ich mich befinde.
Im Internet lese ich eine aktuelle Nachricht:
(…) Das Leiden der Tibeter unter der chinesischen Unterdrückung ist derart unerträglich, daß manche keinen Ausweg mehr sehen und sich das Leben nehmen. Im Osten Tibets, in Amdo und Kham mußten nicht wenige aus ihren Häusern fliehen und suchen jetzt im Bergland Zuflucht vor der Brutalität der chinesischen Sicherheitskräfte. Ohne Nahrung, Kleidung und Brennstoff sind sie in den Bergen und Wäldern gefangen. Ihre Lage ist lebensbedrohlich und sie bedürfen dringend internationaler Unterstützung. (…)
Was tue ich? Gehe ich weiter meiner normalen Beschäftigung nach? Habe ich diese Nachricht, wie schon unzählige zuvor, in den nächsten Minuten wieder vergessen? Werde ich verschluckt von meinem Alltagsleben, meinen Alltagssorgen, meinen Alltagsbedürfnissen?
Ich nehme das Buch „Zukunft ohne Krieg“ von Dieter Duhm in die Hand und lese darin:
„An den Folgen von Kolonialisierung und Globalisierung sterben mehr Menschen als jemals in einem Krieg gestorben sind. Können wir fortfahren, unsere Vorteile zu genießen und unseren Einsatz auf Worte zu beschränken? Wir müssen reale Wege und Mittel finden, die Erde vom Krieg zu befreien. Wir nehmen indirekt teil am Krieg, weil wir keine Zeit haben zu begreifen, was da eigentlich geschieht. Unsere Kultur ist so eingerichtet, dass niemand Zeit hat zu begreifen, was da eigentlich geschieht.“
Ich beschließe, mir heute Zeit zu nehmen. Jetzt, sofort, für die Menschen in Tibet und Palästina, im Irak, im Sudan und Kolumbien. Ich fordere auch meine Mitmenschen auf, sich Zeit zu nehmen. Jetzt, sofort. Bevor wir über Möglichkeit und Unmöglichkeit eines globalen Friedens diskutieren, bevor wir verschiedene Wege und Strategien erörtern, müssen wir diese heile Stelle in uns selbst aufsuchen, von der aus wir aus vollem Herzen sagen: Ich will eine Erde ohne Krieg. Ich merke, das ist nicht nur mein kleiner, persönlicher Wunsch, es ist der Traum einer ganzen Menschheit. Er muß in mir und in vielen von uns wieder wachgerufen werden, denn wir sind es, die noch ein Dach über dem Kopf und genügend Zeit und Kraft zum Denken und Handeln haben.
Ich danke für Beiträge und Stellungnahmen.
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