Pazifismus ist die Versöhnung des Menschen mit sich selbst
Heute am 50. Jahrestag des Aufstandes in Tibet möchte ich einige Gedanken von Dieter Duhm zitieren zum Thema Gewaltfreiheit und Pazifismus. Sie sind die tiefsten, die ich bisher zu diesem Thema finden konnte. Ich widme sie denen, die in der Geschichte der Besatzung Tibets ihr Leben lassen mußten und denen, die überlebt haben und unbeirrt weiter den Weg der Gewaltfreiheit gehen.
„Gewalt ist die Eruption blockierter Lebensenergien. Pazifismus ist nicht die sanfte Beschwichtigung der Gewalt und nicht die Beilegung von Konflikten durch Appelle zum Frieden. Wirklicher Pazifismus ist der radikale und intelligente Selbsteinsatz des Menschen für die Befreiung aller in ihm liegenden Lebensenergien und Schöpferkräfte. Pazifismus ist der fundamentale Kampf gegen jede Art von Unterdrückung der menschlichen Sehnsucht. Pazifismus ist kompromißlose Parteinahme fürs Lebendige. Pazifismus ist Militanz, nicht unbedingt politische Militanz, aber Militanz in der Erringung innerer Wahrhaftigkeit und Freiheit, denn Pazifismus ist die Versöhnung des Menschen mit sich selbst.“ (Aus: Dieter Duhm, Aufbruch zur neuen Kultur)
In Nahost entscheidet sich mehr als die Zukunft zweier Völker.
von Dieter Duhm
In Nahost entscheidet sich mehr als die Zukunft zweier Völker. Wenn hier Friede gelingt, dann wird etwas Neues für die Menschheit gelungen sein. Denn in diesem Krieg offenbart sich ein Konfliktpotential der ganzen Menschheit. Ein Friede in Nahost hätte deshalb nicht nur regionale, sondern planetarische Bedeutung.
Wenn wir den Krieg beenden wollen…
„…müssen wir ihn da beenden, wo er tagtäglich neu gezeugt und neu geboren wird: in unseren alltäglichen Lebensverhältnissen, im Dauerstreß unterdrückter Sehnsüchte, in Schulen und Familien, in den Tragödien der Liebe, in unseren Vorstellungen von Mannsein, Frausein, von Sex und Besitz, in den viel zu engen Käfigen unseres beruflichen, sozialen und sinnlichen Lebens.
Wir wollen, dass die Jugend der Welt nicht mehr in den Krieg zieht?
Dann brauchen wir ein höheres Lebensziel, ein lohnenderes Leben und eine bessere Einsatz-möglichkeit der jugendlichen Kräfte.
Wir wollen, dass die weltweite sexuelle Gewalt beendet wird?
Dann müssen wir konkrete Lebensverhältnisse schaffen, wo sexuelle Freude ohne Gewalt, ohne Erniedrigung und ohne unnötige Einschränkungen erlebt werden kann.
Wir wollen die Welt von Despotismus, Betrug und Lüge befreien?
Dann lasst uns reale Verhältnisse aufbauen, in denen Despotismus, Betrug und Lüge keinen evolutionären Vorteil mehr haben.
Nicht nur träumen, reden, wünschen, appellieren, sondern aufbauen, real bauen!
Die Welt wird erst besser werden, wenn wir zeigen, dass es möglich ist.
Auszug aus „Die Kriegsgesellschaft und ihre Transformation. Manifest gegen den Krieg“ von Dieter Duhm
Aufruf zur Kriegsdienstverweigerung
In Solidarität mit allen, die den Kriegsdienst verweigern, möchte ich folgenden Text veröffentlichen. Jetzt ist Waffenruhe in Gaza. Wieder einmal konnte die Welt sehen, was Krieg bedeutet. Aber der Krieg geht weltweit weiter. Um den Krieg zu beenden, brauchen wir ein Wissen über das gesamte Kriegssystem und wie wir es verlassen können. Eine Möglichkeit ist folgender Text.
Bitte verteilt ihn in euren Netzwerken, gebt es an eure Freunde weiter. Helft mit, diesen Planeten in einen Planeten des Friedens zu verwandeln.
„Ihr habt keine Feinde. Die Menschen mit anderem Glauben, anderer Kultur oder anderer Hautfarbe sind nicht eure Feinde. Es gibt keinen Grund, sie zu bekämpfen.
Die, die euch in den Krieg schicken, tun es nicht für eure Interessen, sondern für ihre eigenen. Für ihren Profit, ihre Macht, ihren Vorteil, ihren Luxus.
Warum kämpft ihr für sie? Habt ihr Anteil an ihrem Profit? Habt ihr Anteil an ihrer Macht? Habt ihr Anteil an ihrem Luxus?
Und gegen wen kämpft ihr? Haben euch die sogenannten Feinde etwas getan? Cassius Clay hat sich geweigert, in Vietnam zu kämpfen. Er hat gesagt, die Vietnamesen hätten ihm nichts getan. Oder ihr GI´s: Haben euch die Afghanen, die Iraker, die Iraner etwas getan? Oder ihr jungen Russen: Haben euch die Tschetschenen etwas getan? Und wenn ja, wißt ihr, wieviel Schlimmes eure Regierung ihnen angetan hat? Oder ihr jungen Israelis: Haben euch die Palästinenser etwas getan? Und wenn ja, wißt ihr, was eure eigene Regierung ihnen angetan hat? Wer hat das Unrecht verursacht, das ihr bekämpfen sollt? Wißt ihr, welchen Mächten ihr dient, wenn ihr mit Panzern durch erobertes Gelände fahrt?
Wer in aller Welt verursacht das Unrecht, zu dessen angeblicher Bekämpfung die Jugend in den Krieg geschickt wird? Es sind eure eigenen Regierungen, eure eigenen Gesetzgeber, es sind die Herrscher in eurem eigenen Land.
Es ist die Welt der Banken und Konzerne, der Rüstungsindustrie und der Militärs, denen ihr dient, wenn ihr ihren Kriegsbefehlen folgt. Wollt ihr wirklich deren Welt unterstützen?
Wenn ihr das nicht wollt, dann ignoriert den Kriegsdienst. Ignoriert ihn so beharrlich und so machtvoll, dass sie euch nicht mehr holen. „Stellt euch vor, es wäre Krieg, und niemand ginge hin.“ Kein Mensch auf der Erde hat das Recht, einen anderen Menschen zum Krieg zu zwingen. Wenn sie euch einziehen wollen zum Kriegsdienst, dann dreht den Spieß um. Schreibt ihnen, wo und wann sie sich zu melden haben, mit welchen Socken, Unterhosen und Hemden sie bitte antreten sollen. Macht ihnen unmißverständlich klar, dass sie ab sofort selber in den Krieg ziehen müssen, wenn sie ihre schmutzigen Interessen durchsetzen wollen. Benutzt eure Beziehungen, eure Medien, eure Jugend und eure Macht, um den Spieß umzudrehen. Wenn sie Krieg wollen, sollen sie sich selber in die Panzer und Schützengräben begeben, sollen selber über Minenfelder fahren und sich von Schrapnellwaffen zerfetzen lassen.
Es gäbe keine Kriege mehr auf der Erde, wenn diejenigen, die die Kriege verursachen, die Schlachten selber führen müßten und wenn sie am eigenen Leib erfahren würden, was es heißt, verstümmelt oder verbrannt zu werden, zu verhungern, zu erfrieren, vor Schmerzen ohnmächtig zu werden.
Krieg ist das Gegenteil von jedem Menschenrecht. Wer Krieg befiehlt, ist immer im Unrecht.
Krieg ist die aktive Verursachung von unendlichem Leiden: zerquetschte und verbrannte Kinder, zerfetzte Leiber, zerstörte Dorfgemeinschaften, verlorene Familienangehörige, verlorene Freunde oder Liebespartner, Hunger, Kälte, Schmerz und Flucht, Grausamkeit gegen die Zivilbevölkerung – das ist Krieg!
Niemand darf in den Krieg ziehen. Hinter den Gesetzen der Herrschenden gibt es ein höheres Rechtsgut: „Du sollst nicht töten.“ Es ist die moralische Pflicht aller mutigen Menschen, sich dem Wehrdienst zu entziehen. Tut es massenhaft und tut es solange, bis niemand mehr Lust hat, in den Krieg zu ziehen. Es ist eine Ehre, den Kriegsdienst zu verweigern. Zeigt diese Ehre solange, bis sie von allen anerkannt wird.
Die Uniform des Soldaten ist das Narrenkleid der Hörigen. Befehl und Gehorsam sind die Logik einer Kultur, die Angst hat vor der Freiheit.
Wer sich zum Krieg bereit findet, und sei es nur zum obligatorischen Wehrdienst, macht sich der Mittäterschaft schuldig. Es verträgt sich mit keiner Ethik, der Wehrpflicht Folge zu leisten. Solange wir Menschen sind, müssen wir mit allen Mitteln dafür sorgen, dass dieser Wahnsinn aufhört. Es kann keine humane Welt geben, solange der Kriegsdienst als gesellschaftliche Pflicht akzeptiert wird.
Der Feind: das sind immer die anderen. Aber denkt nach: Wenn ihr auf der „anderen“ Seite wärt, dann wärt ihr selbst der Feind. Die Rollen sind austauschbar.
„Wir weigern uns, Feinde zu sein.“ Die Tränen, die eine palästinensische Mutter weint um ihr getötetes Kind sind dieselben wie die Tränen einer israelischen Mutter, deren Kind bei einem Bombenattentat ums Leben kam.
Der Krieger der neuen Zeit ist ein Krieger des Friedens.
Man muß den Mut haben, Leben zu schützen und weich zu werden, wenn unseren Mitgeschöpfen Hartes zugefügt wird. Trainiert euren Leib, kräftigt euer Herz und festigt euren Geist, um die weiche Kraft gegen alle Widerstände durchzusetzen. Es ist die weiche Kraft, die alle Härten überwindet.
Ihr alle seid aus der Liebe zwischen einem Mann und einer Frau hervorgegangen. So liebt und verehrt und pflegt die Liebe.
“Make love, not war.“ Das war ein tiefer Satz der amerikanischen Kriegsdienstverweigerer zur Zeit des Vietnamkriegs. Möge dieser Satz einziehen in alle jungen Herzen. Und mögen wir alle die Intelligenz und den Willen finden, ihm für immer zu folgen.
Im Namen der Liebe.
Im Namen aller Kinder.
Im Namen der Wärme für alles, was Haut und Fell hat.“
von Dieter Duhm
Gaza: Es gibt nur noch eine Grenze…
Vor ein paar Tagen erhielt ich eine Mail von einer Friedensaktivistin aus Israel zur Situation in Gaza, in der stand: „… sie haben Kinder gefunden, die in ihren Häusern kauerten, wahrscheinlich schon tagelang, neben den Körpern ihrer getöteten Eltern. Die Ambulanz war nicht zu ihnen durchgelassen worden, trotz der strengen internationalen Gesetze für einen freie medizinsche Versorgung.“
Ich bitte alle LeserInnen einen Moment innezuhalten, damit die Information auch das Herz erreichen kann.
Weiß man, was ein Kind ist? Bei Nacht? Neben der Leiche seiner Mutter?
Etwas in mir wird sehr ruhig. Ich will keine Petitionen mehr unterschreiben, nicht mehr meditieren und für den Frieden beten. Ich habe nur noch den großen Wunsch zu verstehen. Was heute in Gaza geschieht, geschah gestern in Ruanda, im Kosovo, in Vietnam und kann morgen auch hier in meiner unmittelbaren Nachbarschaft geschehen.
Ich weiß, das Unrecht wird koordiniert und angeordnet im Namen von Regierungen und Militär, von Banken und Konzernen, von Geheimdiensten und Waffenindustrien, aber sie alle könnten nichts ausrichten, wenn es nicht genügend Menschen gäbe, die latent gewaltbereit sind, jederzeit dafür zu gewinnen, die Kriegspläne auch auszufüren.
So bleibt die Frage: Wer ist der Mensch?
Ich möchte dazu einige Sätze zitieren von Dieter Duhm:
„Ich bin der Einsiedler, der aus seiner Höhle kriecht in dem bedächtigen Entschluß, die Welt, in der er von nun an leben möchte, mit unparteilichem Interesse so zu sehen, wie sie wirklich ist. Nichts ist ungeheuerlicher, schauriger, widersprüchlicher und unbegreiflicher als der Mensch, wenn wir aufhören, ihn zu früh zu erklären und unserem embryonalen Begriffsvermögen anzupassen. Es geht nur um das Sehen, nicht um Deutungen und Beurteilungen. Machen wir einen Längsschnitt durch die bisherige Geschichte oder einen Querschnitt durch alles, was jetzt, in diesem Augenblick, auf unserem Planeten unter Menschen (auch zwischen Menschen und Tieren) geschieht, so gibt es für das Sehvermögen des naiven Auges vielleicht nur eine einzige Grenze: die Grenze des Entsetzens.
Der Mensch: das ist das Wesen, das Pyramiden gebaut hat, Städte bis auf das letzte Kind und die letzte Katze ausgelöscht hat, Choräle gesungen und Kathedralen errichtet hat, Andersgläubige auf glühendem Rost gebraten und Andersrassige in Seife verwandelt hat; das Wesen, das aus Liebe gehaßt und aus Frömmigkeit gemordet hat, das Nächstenliebe gepredigt und Napalm produziert hat, das den Frieden liebt und jetzt seinen nuklearen Untergang vorbereitet.
Das Unfaßliche verlangt gebieterisch eine Antwort. Aber hüten wir uns, sie zu schnell zu geben.“
Weiß man, was Krieg bedeutet?
Kennt man den unsäglichen Schmerz von Menschen, die in Trümmern eingeklemmt, verstümmelt oder verbrannt werden? Dies und nichts anderes ist Krieg.
Die Machtkartelle aus Wirtschaft, Politik und Militär wissen, dass bei ihrer Eroberungspolitik Kinder verbrennen, erfrieren, verhungern werden – und sie tun es. Sie wissen, dass Familien auseinandergerissen und Gemeinschaften zerstört werden – und sie tun es. Sie reden von Frieden, Freiheit und Demokratie und töten die Freiheitskämpfer, die ihren Plänen im Wege stehen. Sie haben eine Welt des Konsums errichtet, die auf der anderen Seite der Erde zu Versklavung, Verzweiflung und Untergang führt. Hinter den Zahlen an den Börsen steht das Leid unzähliger Menschen und Tiere. An den Folgen von Kolonisierung und Globalisierung sterben mehr Menschen als jemals in einem Krieg gestorben sind. Können wir fortfahren, unsere Vorteile zu genießen und unseren Einsatz auf Worte zu beschränken? Wir müssen reale Wege und Mittel finden, die Erde vom Krieg zu befreien.
Wir nehmen indirekt teil am Krieg, weil wir keine Zeit haben zu begreifen, was da eigentlich geschieht. Unsere Kultur ist so eingerichtet, dass niemand Zeit hat zu begreifen, was da eigentlich geschieht. Wir nehmen teil am Krieg, weil wir teilnehmen an einer Zivilisation, die überall den Krieg erzeugt. Der Krieg ist ein Bestandteil unserer Zivilisation, unserer Wirtschaft, unseres Konsums und unserer Vorstellungen vom Leben. Unsere eigene, westliche Gesellschaft lebt von Rüstungsindustrie und Waffenhandel, vom Krieg gegen die Natur, vom Krieg gegen die Dorfgemeinschaften und die Bauern der sog. Dritten Welt, vom Krieg gegen die Liebe, vom Krieg gegen die geistigen Anker und Heimatplätze der menschlichen Gattung. Dieser Krieg fordert seine Opfer in Tschetschenien, Afghanistan oder Irak, in Lateinamerika oder Palästina, aber er fordert seine Opfer auch dort, wo angeblich Frieden und Demokratie herrschen: in den Büros und Fabriken, in den Schulen und Familien, in den Liebesbeziehungen und gescheiterten Ehen, in der Situation heimatloser Jugendlicher, im sexuellen Notstand der Jugend, in den Seilschaften des organisierten Kindesmissbrauchs, wie sie in Belgien (Dutroux) und jetzt in vielen weiteren europäischen Ländern aufgedeckt wurden. Und schließlich in der auswegslosen Situation von Menschen, die im Räderwerk der bestehenden Verhältnisse nicht mehr zurechtkommen.
Und sind nicht auch die Schlachthöfe, die Pelztierfarmen und Tierlabors ein Teil des alltäglichen Krieges? Muss der Fortschritt einer Kultur wirklich mit so maßlos viel Tierleid verbunden sein?
Es gibt eine Lösung. Wir können sie erkennen, wenn wir aus genügendem geistigen Abstand das Ganze betrachten, in dem sich das derzeitige Leben auf der Erde abspielt.“
(Aus dem Buch „Zukunft ohne Krieg“ von Dieter Duhm)
Das Buch und die beschriebene Lösung muß bekannt werden; es muß über sie gesprochen werden, immer wieder und an immer mehr Orten in der Welt… bis sich immer mehr Menschen entschließen, sie mit aller Kraft zu verwirklichen. Das ist mein tiefstes Gebet für 2009.
… wenn sich Wille und Vision in große Höhen bewegen
Gerade komme ich zurück von einer längeren Reise durch die USA, vor allem durch Kalifornien, berührt und überwältigt von der Schönheit dieses Landes und seiner Natur, vom politischen Engagement vieler seiner Einwohner und von existentiellen Gesprächen. Die USA – das war lange Zeit das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und ist es zum Teil immer noch. Wie wird es jetzt weitergehen – dort und überall auf der Welt?
Ich möchte eine Stelle aus dem Buch „Die Heilige Matrix“ (link auf amzon.de) von Dieter Duhm zitieren:
„Wir Menschen besitzen die Intelligenz, computergesteuerte Waffen zu bauen und Weltraumstationen zu errichten. Wir sind dabei, winzige U-Boote durch Arterien zu schicken und mit Nano-Kanonen molekulare Informationen in krankes Gewebe zu schießen. Dies alles ist kein Science Fiction mehr. Es offenbart uns die großen Möglichkeiten, vor denen wir stehen, wenn sich Wille und Vision in solche Höhen bewegen. Es ist eine Frage von Vision und Wille, ob wir in der Lage sind, denselben Einsatz von Intelligenz und Erfolgsbereitschaft auch im menschlichen Bereich aufzubringen und für unser Leben auf der Erde eine neue Ordnung zu finden, die mit den ursprünglichen Ordnungen des Lebens und des Universums nicht mehr kollidiert, sondern zusammenschwingt.
Wir verfügen, wenn wir wollen, über die Möglichkeit, aus den Verpuppungen und Panzerungen der Angst auszusteigen und für unser weiteres Dasein die heilige Matrix zu wählen. Dies ist keine Sisyphusarbeit, denn die heilige Matrix ist als Blaupause bereits vorhanden. Wir verwirklichen sie, indem wir sie sehen, wahrnehmen und annehmen. Es ist ein tiefer Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Verwirklichung: „realize“ heißt das Wort im Englischen. Durch die Wahrnehmung werden latente Möglichkeiten in die Wirklichkeit gerufen.“
Morgendämmerung einer neuen Zeit
Morgen, am 1. Oktober, beginnt eine Pilgerwanderung durch den Regenwald Kolumbiens mit über 500 TeilnehmerInnen. Viele kommen aus dem Friedensdorf San José de Apartado (Kolumbien), andere aus anderen Ländern Lateinamerikas, aber auch aus den USA, Europa, Israel, Palästina. Geleitet wird die Pilgerschaft von Padre Javier Giraldo (Kolumbien), Sabine Lichtenfels (www.the-grace-foundation.org) und Benjamin von Mendelssohn (www.prvme.org).
Ich sende ihnen Grüsse mit einem Zitat aus dem Buch „Zukunft ohne Krieg“ von Dieter Duhm. Er beschreibt eine Vision:
„Ich sehe eine neue Generation von Pilgern aus allen Ländern über die Erde ziehen. Sie sind nicht mehr gebunden an Nation, Sprache, Rasse, Kultur und Religion, auch nicht an Reichtum und Besitz. Sie helfen in Krisengebieten, besuchen heilige Stätten, sind unterwegs zu neuen Ankerplätzen, begegnen sich an Lagerfeuern, in Scheunen oder Herbergen, teilen sich ihr Brot und entwickeln eine neue Qualität von Gemeinschaft, Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. So entsteht außerhalb aller Institutionen ein junges Weltbürgertum von neuer Art – eine andere Globalisierung. Unterstützt wird dieser Vorgang durch die Entstehung neuartiger Zentren, die sich langsam auf der Erde ausbreiten. Wir nennen sie „Heilungsbiotope“ oder „Friedensdörfer“. Sie dienen den Pilgern als Herberge, Studienort und Arbeitsstätte. Hier wird reale Forschungsarbeit gemacht für die technologischen, spirituellen und sozialen Grundlagen einer gewaltfreien Weltgesellschaft. Die Zentren stehen untereinander durch die wachsende Pilgerschar in fluktuierender Verbindung. Man weiß voneinander, man ist auf demselben Weg und man hat die Verantwortung übernommen für die Zukunft unseres Planeten. Beginn einer neuen Kultur, Morgendämmerung einer neuen Zeit.
Möge die Jugend aller Länder austreten aus ihren Vergangenheiten und eintreten in die Möglichkeiten einer neuen Epoche von planetarischem Denken, planetarischer Freundschaft und planetarischer Freude. Mögen sich junge Menschen aus Toronto, aus Sidney oder Nairobi, aus San Francisco oder Kiew treffen, mögen sie in Kolumbien oder bei den Zapatisten in Mexiko, in Bethlehem oder in Tamera die neue Weltgemeinschaft feiern. Mögen sie aus dem Weltencode die Informationen und Kräfte verwirklichen, die uns in eine lebenswerte Zukunft auf einem wunderbaren Planeten führen. – Sie werden es tun, die „Bewegung für eine freie Erde“ ist bereits im Gang.“
Mit wenig Menschen vieles bewirken
Es häufen sich in letzter Zeit Meldungen, daß die USA doch noch oder immer noch den Krieg gegen den Iran vorbereiten. Von August 2008 ist nun die Rede.
Statt eines eigenen Kommentars dazu möchte ich ein Zitat vorstellen aus dem Buch „GRACE. Pilgerschaft für eine Zukunft ohne Krieg“ von Sabine Lichtenfels. Angesichts der damaligen Kriegsdrohung gegen den Iran im Jahr 2005 traf die Autorin eine Entscheidung, die „…über alles hinausging, was sie bis dahin getan hatte“. Ihre Worte sind aktueller als je zuvor:
„Die Vorstellung, bei einem nächsten Krieg tatenlos zusehen zu müssen, ließ mir keine Ruhe mehr. Wie besessen suchte mein Geist nach Ruhe, nach Schutz, nach Perspektive. Ich studierte in Kunstbüchern, bei Klee, bei Kandinsky, Käthe Kollwitz. Sie alle waren Zeugen eines Krieges, einer auswegslosen politischen Situation gewesen und hatten ihren Ausweg in der Kunst gesucht und auch in der Gemeinschaft. Aber ich fand keinen wirklichen Trost. (…)
Was für Gründe für Hoffnung hast du? Unsere Geschichte, auf die das westliche Abendland stolz ist, ist eine einzige Kriegsgeschichte. Ich höre die Worte des typischen Patriarchen, der lächelnd sagt: Krieg ist ein Naturgesetz, und es wird ihn immer geben. So hat mein Vater gesprochen, obwohl er selbst überzeugter Pazifist war, so schreibt ein Teilhard de Chardin, der Jesuitenpater, der in voller Aufrichtigkeit den Weg mit Gott suchte, so predigten unsere Pfarrer, und so lehrten es uns die meisten Lehrbücher. Und die Matriarchate, in denen unsere weibliche Seele ihre Heimat und Beruhigung sucht, haben keine Beweise, dass es jemals Frieden auf der Erde gab. Es gibt keine Beweise für eine gewaltfreie Kultur, es gibt nur die Sehnsucht, den unbändigen Hunger nach einer besseren Welt, solange wir es noch wagen, uns diesen Hunger einzugestehen.
Wie kann ich die Menschen verstehen, die lieber abstumpfen, gleichgültig werden, als da noch hinschauen zu wollen! Erwachsen werden heißt, sich in die gegebene Wirklichkeit einfügen. Es braucht eine große Kraft, um nicht in diesem Sinn „erwachsen“ zu werden.
Ich kann nicht erwachsen werden. Ich habe Freunde in Israel und Palästina, in Afrika, in Indien und Kolumbien. Je näher mir die Welt der Unterdrückten kommt, desto empörter wird mein Aufschrei gegen die Welt der Reichen, der Behüteten, gegen die Welt, aus der auch ich komme. Aber auch in diesem Aufschrei gegen etwas finde ich keinen Trost.
Ich suche in der Friedensbewegung nach kraftgebender Literatur für den Ring der Kraft, ein von mir gegründetes spirituell-politisch ausgerichtetes Netzwerk für den Frieden. Ich will mit den Texten, die ich versende, auch in der Friedensbewegung daran erinnern, dass die Welt Dinge wie Schönheit, Sanftheit, wie Glück und Musik besitzt. Wenn man nicht fähig ist, Schönheit zu schaffen, wofür kämpft man dann?
Eine Revolution, die einen Ausweg aus der Sackgasse entwickeln möchte, muss begleitet sein von dem Aufbau einer positiven Alternative; sie muss sich die Mühe machen, die inneren psychologischen Vorgänge von uns Menschen einzubeziehen, um auf die inneren Fragen eine wirkliche Antwort bieten zu können. Eine Ursache für den Krieg liegt in den falsch kanalisierten Sehnsüchten und Lebensenergien des Menschen. Oder glauben wir ernsthaft daran, dass junge Soldaten, die für den Krieg bereitstehen, wirklich den Befehlen gehorchen würden, wenn sie eine andere Perspektive hätten für ihre Kraft, ihren Mut, ihre Sehnsucht nach Abenteuer und Gemeinschaft? Wenn sie von anderen archetypischen Seelenbildern geleitet würden als den Heldenbildern der patriarchalen Kulturen? Könnte es überhaupt eine militärische Welt geben, die auf Befehl und Gehorsam basiert, wenn die Menschen es gelernt hätten, ihrer Sehnsucht in der Liebe zu folgen und dabei ihre eigene Quelle zu finden? Es ist der nicht erfüllte Hunger nach Gemeinschaft, nach Liebe und Religion, der uns in den kollektiven Wahnsinn getrieben hat.
Wenn wir wüssten, wie die Sehnsucht in der Liebe, wie die Hoffnung nach Vertrauen und Gemeinschaft, wie der Überschuss an Vitalität und Lebenskraft, wie die gewaltige Macht der Sexualität in unser Leben zu integrieren wären, anstatt sie zu unterdrücken, es gäbe längst keinen Krieg mehr.
Ich war jetzt oft genug in Israel/Palästina und konnte es immer wieder studieren: Viele Palästinenser, die Zeuge von israelischen Angriffen wurden, wollen Rache. Das ist nur allzu menschlich, wenn man sieht, mit welchen Methoden der Staat Israel gegen Palästina vorgeht. Ebenso geht es den Israelis, die bei einem Selbstmordattentat einen nahen Freund verloren haben, ein Kind, einen Mann oder eine Frau, die sich ständig bedroht fühlen von der radikalen Hamas, von den Selbstmordattentätern, deren rasendes Rachebedürfnis vor nichts mehr halt macht. Man muss einmal vor Ort gewesen sein, um sich ein Bild machen zu können, mit welchem Gefühl ein Israeli einen Bus besteigt, in ein Kaufhaus geht oder in ein Restaurant. Ganz Israel steht unter einem kollektiven Ghetto der Angst, die oft sehr alltäglich und unbewusst geworden ist. Wo Angst zum Alltag geworden ist, greift der Ruf nach Gewalt umso leichter. Unsere Friedensbotschaften werden wenig fruchten, solange wir nicht wissen, wie es Männern oder Frauen ergeht, denen soeben vom feindlichen Nachbarn ihr Kind erschossen wurde, ihr Land geraubt, die Frau vergewaltigt, der Mann umgebracht. Da brüllt nur noch eine Stimme in den Verletzten: Ich will Rache! Da hat niemand die Frage: Worin besteht jetzt die Entscheidung für die Liebe? Da fragt kaum jemand nach den politischen Hintergründen, da hat niemand die Kraft und die Ruhe, um nach wirklichen Lösungen Ausschau halten zu können.
Aber wir, die wir international beteiligt sind, die wir aus der Ferne mit Entsetzen zuschauen, wir müssen uns fragen: Durch was bekommt die Friedensbewegung Macht? Wie verwandelt sich die aufkommende Ohnmacht in eine Quelle des Glaubens und der Macht? Vor der Lösung dieser Thematik steht jeder, der sich ernsthaft mit der Frage auseinandersetzt: Ist diese Erde noch zu retten?
Ein großer Teil der Bevölkerung würde auf die Frage: „Wollen Sie Krieg oder Frieden?“ antworten: „Wir wollen Frieden, aber was können wir allein schon tun?“ Wenn man alle diese Menschen in einer Initiative zusammenführen könnte, die verbunden ist mit einem Wissen und einer Vision, die mehr Macht in sich trägt als die Globalisierung der Gewalt, so könnte dies einen entscheidenden Drehpunkt in der Friedensarbeit ergeben. Um es etwas paradox zu sagen: Ohnmacht ist eine der gewaltigsten latenten Machtpotentiale. Wenn das weltweit verbreitete Gefühl der Ohnmacht transformiert würde in eine Handlungskraft des Friedens, wenn sie verwandelt würde in ein Wissen und ihr Ziel kennen würde, hätte die Friedensbewegung es leicht.
Es ist offensichtlich, dass das internationale Machtsystem gezielt mit der Ohnmacht arbeitet, um die Menschen regierbar zu machen und sie zum Schweigen zu bringen, so dass immer mehr Gräueltaten weltweit geduldet werden, ohne dass sich noch jemand wehrt.
Hier muss die Drehung vollzogen werden. Der gewaltigen Realität des Krieges setzen wir einen gewaltigen Traum entgegen. Unsere Kraftquelle besteht in dem Mut, den Träumen treu zu bleiben und ihnen die Macht und das Wissen zur Verwirklichung zu geben. Wir träumen den Traum einer großen Bewegung: Der Bewegung für eine freie Erde.
Diese Bewegung hat die Aufgabe, glaubhafte Alternativen aufzuzeigen; sie hat die Aufgabe, eine kraftvolle, lebensfreudige und gewaltfreie Revolution einzuleiten, die allen eine Perspektive gibt und Möglichkeiten aufzeigt, wie wir das globale System der Gewalt verlassen können. Austreten aus dem System der Mittäterschaft, einsteigen in ein System des Friedens. Dies verlangt eine Umstellung aller Lebensgewohnheiten, dies verlangt eine tiefe persönliche Entscheidung, eine soziale Revolution und eine globale Alternative.
Die Entscheidung in mir bahnte sich an. Ich wollte einen Schritt tun, einen Schritt, der über alles, was ich bisher getan habe, hinausging. Ich glaube fest daran, dass wir mit wenig Menschen vieles bewirken können, wenn wir ernsthaft genug nach neuen Lösungen Ausschau halten.“
Ich hoffe, daß diese Worte die „wenigen“ Menschen erreichen, mit denen wir vieles bewirken können. Ich danke für Kommentare!
Gibt es etwas, das stärker ist als Feindschaft?
Gibt es etwas, das stärker ist als Feindschaft und Gewalt? Gibt es eine Kraft der Versöhnung, die auch dann wirkt, wenn wir unserem ärgsten Feind gegenüberstehen?
Aufgerüttelt vom drohenden Krieg gegen den Iran begibt sich Sabine Lichtenfels 2005 auf eine halbjährige Pilgerwanderung. Sie geht der Frage nach, was ein einzelner Mensch tun kann, um zukünftige Kriege zu verhindern und entdeckt dabei eine innere Kraftquelle, die sie „GRACE“ nennt.
In ihrem Buch „GRACE. Pilgerschaft für eine Zukunft ohne Krieg“ schreibt sie:
„GRACE erinnert dich daran, dass die Heilung unseres Planeten nur gelingen kann, wenn es menschheitlich gelingt, uns wiederzuverbinden mit den wahren Grundlagen des Lebens und der Liebe, des Vertrauens und der Wahrheit. Es wird menschheitlich nur gelingen können, wenn es bei uns selbst gelingt.“
In der Haltung von GRACE leitet sie im Herbst 2005 vier Wochen lang eine 40-köpfige internationale Pilgergruppe zu Fuß durch Israel und die besetzten Gebiete Palästinas. In ungewöhnlicher Weise öffnen sich zwischenmenschliche Mauern aus Angst, Mißtrauen und Vorurteilen. Ideologische Fronten weichen auf und lassen Lösungen denkbar werden, die bislang unmöglich schienen. 2007 findet eine weitere GRACE-Pilgerschaft statt, wieder in Israel/Palästina, diesmal 350 km zu Fuss durch die Wüste von Eilat durch die Westbank nach Bethlehem und Jerusalem. Bis zu 170 Menschen aus Israel, Palästina und dem internationalen Ausland nehmen daran teil. Im Herbst 2008 wird die GRACE Pilgerwanderung unter Leitung von Sabine Lichtenfels in Kolumbien stattfinden.
GRACE ist die Kraft, im Äußeren Frieden zu stiften. GRACE ist eine innere Haltung, die vor Gefahren zu schützen vermag.
Zusätzlich zu den jährlichen Pilgerreisen plant Sabine Lichtenfels mit einem internationalen Team den Aufbau eines „Globalen Campus“, durch den das Wissen, wie eine zukünftige friedliche Gesellschaft geschaffen werden kann, zusammengetragen und gelehrt wird: Aufbau von autarken Lebensmodellen, Energiegewinnung ohne Ausbeutung von Ressourcen, Gewaltfreiheit gegenüber allen Wesen und das Erlernen von GRACE, dem Wissen, wie Frieden zwischen Menschen dauerhaft gelingt.
Wir bitten um Unterstützung bei der Verbreitung von GRACE und der Finanzierung der Aktionen.
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